In 80 Tagen um die Welt

nach dem Roman von Jules Verne 

Theaterstück von Nikolaus Frei 

 

Inszenierung - Kim Mira Meyer

Musik - Victor Ardelean

Bühne und Kostüm - Gretl Kautzsch 

Regie- und Produktionsasisstenz - Lea Unterseer

Uraufführung - November 2021, Pasinger Fabrik

Phileas Fogg, vermögender Gentleman der Londoner High Society, sitzt in einer Zelle in Liverpool fest. Seine rasende Jagd um den Erdball in 80 Tagen ist unterbrochen und er verhaftet worden - kurz vor Abschluss der Reise und dem Gewinn seiner Wette! 

 

Aber Phileas Fogg lässt sich nicht aufhalten und beginnt zu erzählen. Gelassen und souverän übt er schon mal die Berichterstattung der vergangenen Erlebnisse: für die Wettgegner vom Reformclub, für die Presse, womöglich sogar die Königin, die ihm, Retter des Empires, Audienz gewährten könnte! Phileas Fogg hat schließlich im Dienste des unaufhaltsamen Fortschritts die Erde mit Eisenbahnen und Dampfschiffen durchpflügt, ohne sich dabei von Hindernissen aufhalten zu lassen, ohne nach links und rechts zu schauen, von Suez über Bombay und Kalkutta bis nach China und Japan, über den Pazifik, durch Amerika bis zurück nach England. Von all dem erzählt Phileas Fogg nun, alleine mit sich selbst, um sich die Zeit zu vertreiben. 

 

Aber die Zeit wird knapper mit jeder Minute – nicht nur für ihn und seine Wette, sondern womöglich auch für die Welt da draußen, die Phileas Fogg doch mit eiserner Disziplin beherrschen zu können glaubte... Existiert diese Welt überhaupt noch? Kann es sie geben ohne IHN, den weißen, zivilisierten, selbstermächtigten Erfolgsmenschen, der sich die Erde untertan machte und sie formt nach seinem Willen? Wieso öffnet ihm dann niemand die Gefängnistür? Langsam dämmert es Phileas Fogg, dass er in diesem leeren Raum vielleicht für immer alleine bleiben wird, gefangen in seinem Kopf, in dem er, der erste global player, der Imperialist, der Kapitalist, der minutiös kalkulierende Rechner und Planer, nicht nur seine Wette zu verlieren droht, sondern auch schon längst aller Natur und Menschlichkeit verloren gegangen ist, die er in seiner blinden Hast nach dem eigenen Gewinn immer erfolgreich und gnadenlos ignoriert hat ...

Nikolaus Frei,

Autor und Dramaturgie

Die dramatische Neufassung von Jules Vernes Roman verfolgt zwei Ziele: erstens eine Fassung, die der subtilen Zivilisationskritik des Originals verpflichtet bleibt und sich dabei besonders auf die innere Leere des allein auf Logik, Effizienz und Gewinn ausgerichteten „westlichen Handelns“ konzentriert; und zweitens ein gedanklicher Brückenschlag sowohl in die Vergangenheit als auch ins Heute, wo die katastrophalen Folgen dieses Handelns immer offenbarer werden. 

Kim Mira Meyer,

Inszenierung

In unserer neuen Adaption von Jules Vernes berühmtem Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ gibt es nur einen Schauspieler, den Weltreisenden Phileas Fogg. Er berichtet von seiner fast vollendeten Reise und erfüllt den Raum mit Phantasie und Erinnerungen: mit seinen Begleitern Passepartout, Fix und Aouda, die er aus seiner Einbildungskraft erschafft und hör- und sichtbar werden lässt - aber auch mit den fremden und faszinierenden Melodien, Geräuschen, Bildern und Eindrücken der Länder und Kulturen, die er auf der Reise in atemlosen Rausch hinter sich gelassen hat. 

Victor Ardelean

Komposition

Die Musik bei „In 80 Tagen um die Welt“, die ein Streichquartett während der Aufführung live spielen soll, hat zwei wesentliche Funktionen: Einerseits soll sie die emotionale Welt des Protagonisten offenlegen; Andererseits soll die Musik die reale Welt, durch die Phileas Fogg reist, akustisch darstellen. Durch die in der Filmmusik oft benutzte Technik der thematischen Transformation werden wiedererkennbare Themen im Verlauf des Stückes variiert und immer anders eingeführt, in Anlehnung an die Entwicklung und verschiedenen emotionalen Zustände der Figuren. Zusätzlich sollen auch Volkslieder der verschiedenen von Phileas Fogg bereisten Regionen und Kulturen arrangiert werden.

Gretl Kautzsch, 

Bühne und Kostüm

Die Inszenierung spielt in einen Gefängnisraum. Dieser symbolisiert die Innenwelt von Phileas Fogg. Seine alles beherrschende Geldtasche hängt kopfüber unter der Decke und während seiner Erzählungen fallen immer wieder Geldscheine heraus. Um ihn herum liegen Dinge, als wären sie ein versunkener Schatz am Grunde des Meeres. Sie werden innerhalb der Erzählung zum Leben erweckt und angespielt.